Immer wieder erreichen mich dieselben Fragen, vor allem im Livechat: Was kostet das Auswandern nach Thailand? Reichen tausend Euro im Monat? Pauschal ist das schwer zu sagen – zuerst muss man wissen, was für ein Leben du hier überhaupt haben willst. Aber es gibt Zahlen, an denen du dich orientieren kannst. Und es gibt Fehler, die richtig teuer werden.

Die kurze Antwort: mindestens 10.000 Euro Startkapital

Wenn du auswanderst, solltest du mindestens 10.000 Euro in bar dabei haben – zusätzlich zu dem Geld, das du für dein Visum nachweisen musst. Mehr ist immer besser.

Wofür das draufgeht:

AnschaffungKosten
Guter Rollerab etwa 1.000 €, dazu Versicherung und Anmeldung
Mietsicherheit für Wohnung oder Hausmeist zwei bis drei Monatsmieten
ErstausstattungKleinkram summiert sich schneller als gedacht
Notgroschen für die Rückreise4.000 € – separat halten

Der Punkt, den fast alle vergessen: Von diesen 10.000 Euro müssen 4.000 Euro separat liegen bleiben. Nicht für den Roller, nicht für die Kaution. Sondern damit du jederzeit zurückkannst, wenn es nicht funktioniert. Die komplette Rückführung kostet Geld. Mit 4.000 Euro auf der Seite bist du wirklich safe.

Zuerst das Visum – ohne geht gar nichts

Die allererste Frage ist nicht, wo du wohnen willst. Sondern: Komme ich überhaupt legal ins Land und darf ich lange bleiben?

VisumFinanzieller NachweisBesonderheit
DTV (Destination Thailand Visa)12.000 bis 13.000 € auf dem Bankkonto, je nach WechselkursFünf Jahre gültig, 180 Tage pro Einreise. Danach einmal raus und wieder rein – auch nur für ein paar Stunden.
Rentenvisum800.000 Baht dauerhaft auf einem thailändischen KontoDas Geld muss dauerhaft liegen bleiben
Rentenvisum bei Ehe400.000 BahtMuss ebenfalls dauerhaft bleiben
LTRHöhere AnforderungenFür alle mit gutem Einkommen interessant

Achtung beim Ehe-Visum: Sobald eine Scheidung rechtsgültig ist, ist dein Visum sofort hinfällig. Du musst dann umgehend ausreisen. Das trifft Leute härter, als sie denken.

Das Geld fürs DTV würde ich übrigens auf dem Konto lassen – in fünf Jahren brauchst du es wieder für die Verlängerung.

Reichen 1.000 Euro im Monat?

Hier scheiden sich die Geister. Die einen sagen, mit tausend Euro leben sie glücklich. Andere sagen, unter 1.500 geht gar nichts. Und wieder andere kommen mit 2.500 nicht klar.

Meine ehrliche Antwort: Mit tausend Euro im Monat kannst du besser leben als in Deutschland – aber du musst die Füße stillhalten. Das heißt: kein Pattaya-Bangkok-Programm, kein Nightlife jeden Abend, keine teuren Cocktails am Strand. Es ist ein ganz normales Leben. Aber ein glückliches. Du bist in der Wärme, hast günstiges Essen, kannst dir regelmäßig eine Massage leisten.

Die einfachste Rechnung

Viele fragen: Kann man mit 2.000 Euro in Thailand leben? Die Frage erübrigt sich. Wenn du in Deutschland mit 2.000 Euro auskommst, kommst du in Thailand mit 2.000 Euro sehr gut aus. Du kannst mindestens dreißig Prozent abziehen, oft mehr.

Wer in Deutschland mit 1.500 lebt, wird in Thailand auch mit 1.000 zurechtkommen – vorausgesetzt, er lebt wie ein Einheimischer.

Und genau da liegt der Haken

Als Europäer wirst du deinen Lebensstil nicht komplett ablegen können. Ich kann nicht auf einer Kokosmatratze schlafen – ich brauche eine gute Matratze, und die ist für thailändische Verhältnisse teuer. Vielleicht willst du auch Markenklamotten tragen. Vielleicht willst du auch mal wieder Gulasch, Roulade, Döner oder eine Pizza essen. Alles importiert, alles teurer.

Deshalb meine Empfehlung: 1.500 Euro netto sollten es schon sein, wenn du hier ein vernünftiges Leben führen willst.

Wo du wohnst, macht den größten Unterschied

OrtMiete pro MonatAnmerkung
Ländliches Thailand, zum Beispiel Isaanab etwa 100 €Für etwa 800 bis 900 Euro monatlich leben dort viele glücklich – oft haben sie aber schon ein eigenes Haus
Einfaches Haus auf dem Landab 5.000 BahtSehr einfach; für etwas Vernünftiges eher 10.000 bis 12.000 Baht
Pattayaab 10.000 BahtDarunter geht auch – die Frage ist, ob es dir gefällt und wie weit draußen es liegt
Hua Hinvergleichbar mit PattayaRuhiger
Koh Samui, Phuketdeutlich teurerEs sind Inseln – alles muss dorthin transportiert werden

Arbeiten in Thailand: die ungeschönte Wahrheit

Lokale Jobs kannst du fast vergessen

Für eine Arbeitserlaubnis brauchst du Qualifikationen – und selbst dann ist es für uns meist nicht interessant. Teilweise Sechs-Tage-Woche, wenig Urlaub, und für deutsche Verhältnisse sehr schlecht bezahlt.

Ein Vorteil bleibt: Die deutsche Sprache ist eine Qualifikation. Wenn du mit Deutschen zu tun hast – im Callcenter oder in einem Hotel mit vielen deutschen Gästen – hast du einen echten Vorsprung. Bezahlt wird trotzdem nach thailändischem Maßstab.

Die Kurs-Falle: bitte fall nicht darauf rein

Jetzt kommen viele und sagen: Ich mache einfach TikTok, Instagram und Facebook. Leute, baut nicht darauf.

Ich mache das seit fast vier Jahren. Es ist Taschengeld. In vier Jahren habe ich es immer noch nicht geschafft, davon zu leben – ich habe zusätzlich einen Online-Job und noch andere Sachen laufen.

Und es kann jederzeit weg sein. Bei einem meiner Kanäle wurde die Monetarisierung entzogen. Über Nacht, ohne Begründung. Damit verdiene ich dort keinen Cent mehr. Gerade durch die KI-Flut sorgen die Plattformen dafür, dass es nicht zu viel und nicht zu eintönig wird – Faceless-Kanäle werden schnell gesperrt.

Die Frage, die alles beantwortet: Wenn jemand dir einen Kurs verkauft und behauptet, er selbst mache damit 20.000 oder 30.000 Euro im Monat – warum tut er sich dann an, dir einen Kurs für 500 Euro zu verkaufen? Die Antwort ist einfach: Der Kurs ist sein Geschäft, nicht die Plattform.

Was stattdessen funktioniert

Ein solider Online-Job für eine deutsche, österreichische, schweizerische oder – je nach Englischkenntnissen – amerikanische oder englische Firma. Alternativ eine eigene Firmenstruktur im Ausland, über die du Rechnungen stellen kannst.

Und ganz wichtig: Bereite das in Deutschland vor. Reise nicht nach Thailand mit dem Gedanken „ich baue mir hier langsam was auf“. Das ist gefährlich. Du musst schon vorher vernünftige und sichere Einnahmen erzielen.

Steuern: nach 180 Tagen wird es ernst

Wenn du dich länger als 180 Tage im Jahr in Thailand aufhältst, musst du dich sowieso steuerlich melden. Du bekommst dann eine Steuernummer, die TIN.

Mit dem DTV ist das nicht ganz so einfach – da bekommt man nicht ohne Weiteres ein Bankkonto, und man muss viel reden, um überhaupt Steuern zahlen zu dürfen. Ich habe das selbst durch.

Jetzt sagen einige: Schlafende Hunde soll man nicht wecken. Nur – wenn der Hund durch etwas anderes geweckt wird und du hast keine Steuernummer, dann ist das Steuerhinterziehung. Das reden sich viele schön, auch viele Rentner.

Ein Kollege von mir hat sich im Isaan ein Haus gebaut. Der sagt: Ich bin doch nicht bescheuert und zahle keine Steuern. Ich habe mir hier ein Leben aufgebaut – ich müsste zurück nach Deutschland. Vielleicht nur eine Strafe, vielleicht muss ich das Land verlassen.

Und ehrlich: Es ist wirklich nicht viel, was man zahlt. Man kann das sauber und geschickt regeln. Mein Rat: Mach es von Anfang an vernünftig. Bau nicht auf Sand.

Immobilien: die teuerste Falle überhaupt

Kauf nicht sofort

Wenn du ankommst, nimm erst ein Hotel – du musst ja irgendwo gemeldet sein. Dann such dir eine Wohnung. Und dann schau dir in Ruhe an, ob du dort wirklich leben willst.

Viele sagen: Ich will gleich ein Haus kaufen, ein Condo kaufen. Um Gottes Willen, nein.

Und erst recht nicht auf dem Grundstück deiner Freundin

Das ist die Falle, in die immer wieder Leute laufen. Wenn du ein Haus auf dem Grundstück deiner Freundin baust, kommst du da nie wieder raus. Es ist ihr Grundstück und ihr Haus. Ein lebenslanges Wohnrecht kannst du eintragen lassen – aber willst du wirklich dort wohnen?

Diese Grundstücke liegen fast immer irgendwo auf dem Land, nicht in Pattaya und nicht auf Koh Samui. Du sprichst die Sprache wahrscheinlich noch nicht. Und wenn ihr euch trennt, bist du bei der Familie in den meisten Fällen der Böse.

So etwas sollte man frühestens nach fünf, sechs, sieben Jahren in Erwägung ziehen – wenn wirklich klar ist, dass es zwischen euch läuft.

Was du legal kaufen darfst

Grundstücke können Ausländer in Thailand nicht erwerben, das ist bekannt. Eigentumswohnungen (Condominiums) aber schon. Es gibt allerdings eine Regel: In einem Gebäude dürfen nicht mehr als 49 Prozent der Einheiten in ausländischer Hand sein. Ob im Wunschobjekt noch Platz in dieser Quote ist, sagt dir der Makler.

Krankenversicherung: das unterschätzte Problem

Wenn du jung bist, bekommst du eine Versicherung schon für rund hundert Euro. Aber was ist im Alter? Das ist der Punkt, den kaum jemand vorher durchdenkt.

Stell dir vor, du lebst fünfzehn Jahre hier und bist Mitte sechzig. Ab etwa 65 wird es teuer und die Aufnahme wird schwierig. Wenn deine Versicherung dich dann kündigt, stehst du da – und inzwischen hast du vielleicht Vorerkrankungen, die du vorher nicht hattest. Eine neue Versicherung wird genau diese Punkte ausschließen.

Das ist bei jeder Versicherung so. Einen Schaden, der schon da ist, versichert niemand nachträglich mit.

Die eine Frage, die du jedem Anbieter stellen musst: Kann mir im Alter gekündigt werden? Und wie stark steigen die Beiträge mit dem Alter? Vergleich nicht nur den Monatsbeitrag heute – vergleich, was in zwanzig Jahren passiert.

Der Fahrplan in Kurzform

SchrittWas zu tun ist
1. Visum klärenOhne Visum geht gar nichts. DTV, Rentenvisum oder LTR – je nach Situation
2. Einnahmen sichernRente, Online-Job oder Firma. In Deutschland vorbereiten, nicht erst hier
3. Startkapital ansparenMindestens 10.000 €, davon 4.000 € unantastbar für die Rückreise
4. Krankenversicherung prüfenVor allem auf Kündigungsschutz im Alter achten
5. Ankommen und mietenErst Hotel, dann Wohnung. Nichts kaufen
6. Steuern anmeldenNach 180 Tagen Aufenthalt, Steuernummer beantragen
7. Erst nach Jahren an Kaufen denkenUnd niemals auf fremdem Grundstück bauen

Warum Thailand trotzdem?

Einige sagen: Woanders ist es günstiger. Kann sein. Aber es zählt nicht der einzelne Preis, sondern das Gesamtpaket.

Wenn du einfach nur irgendwo im Warmen glücklich sein willst, gibt es sogar bessere Ziele – vielleicht auch mit einfacheren Visabestimmungen. Aber wie sieht es dort mit Kriminalität aus? Mit der Infrastruktur? Mit den Krankenhäusern?

Und da kommt ein Punkt, den man mit dreißig für unwichtig hält: Im Alter ist nicht entscheidend, welche Mall in der Nähe ist, sondern welches Krankenhaus. Wenn du irgendwo im Isaan lebst und der Krankenwagen braucht zwei Stunden, kann das den Unterschied machen. Es gibt genug Menschen, die nach einem Herzinfarkt weiterleben – wenn schnell geholfen wird.

Für mich ist das Gesamtpaket in Thailand mit allem drum und dran das Beste. Aber du musst prüfen, ob das auch für dich gilt.

Wenn du es richtig machen willst

Ich habe dazu ein sehr ausführliches Buch geschrieben: Auswandern, aber richtig. Da steht alles drin, recherchiert und gegengeprüft – damit du die typischen Anfängerfehler gar nicht erst machst.

Außerdem findest du in meinem Shop kostenlose Sachen, unter anderem einen ausführlichen Budget-Rechner als Excel-Datei, mit dem du deine monatlichen Ausgaben durchrechnen kannst: payhip.com/MaikelThailand

Und wenn du dein Visum beantragen willst, schau bei asia-visa.com vorbei – mit dem Rabattcode MAIKEL5 bekommst du fünf Prozent auf deinen Antrag. (Anzeige)

Ich wünsche dir eine super Zeit in Thailand. Es lohnt sich.

Passendes Buch: Auswandern nach Thailand – Das Praxishandbuch
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